Audimax ist besetzt!
Donnerstag, 19. November 2009
Der Bildungsstreik geht weiter!

Am Donnerstag fand ab 14 Uhr an der Ruhr-Universität Bochum eine von ca. 3.000 Studierenden besuchte Vollversammlung statt, die wegen des großen Andrangs vom besetzten zweitgrößten Hörsaal, der sich mit 880 Sitzplätzen als viel zu klein erwies, ins Auditorium maximum (Audimax) verlegt wurde. Nachdem an vielen Hochschulen bundesweit sowie in anderen europäischen Ländern in den vergangenen Wochen zahlreiche bildungspolitische Protestaktionen stattgefunden haben und an vielen Standorten Hörsäle besetzt wurden, geht der Bildungsstreik auch in Bochum weiter: Am Donnerstag fand ab 14 Uhr an der Ruhr-Universität Bochum eine von weit mehr als 3.000 Studierenden besuchte Vollversammlung statt, die wegen des großen Andrangs vom besetzten zweitgrößten Hörsaal, der sich mit 880 Sitzplätzen als viel zu klein erwies, ins Auditorium maximum (Audimax) verlegt wurde.

Nachdem das Rektorat dem zunächst nicht zugestimmt hatte, wurde einstimmig beschlossen, das Audimax zu besetzen. Die daraufhin verspätet abgehaltene Versammlung beschloss mit großer Mehrheit eine Resolution mit den aktuellen bildungspolitischen Forderungen (siehe Anhang): Gefordert wird neben der Abschaffung der Studiengebühren sowie der Rücknahme des sogenannten „Hochschulfreiheitsgesetzes“ u. a. die sofortige Abschaffung der Anwesenheitspflicht in den Seminaren und Vorlesungen nicht nur an der Ruhr-Universität, sondern an den Hochschulen bundesweit. Doch die Forderungen gehen auch über den Hochschulbereich hinaus: „Wir kämpfen auch für diejenigen mit, die aufgrund der Studiengebühren schon längst nicht mehr hier sein können!“ Außerdem wurde deutlich gemacht, dass sich die Studierenden auch für eine andere Schulpolitik einsetzen und die Abschaffung von Kopfnoten sowie des 'Turbo-Abiturs' mit Schulzeitverkürzung und kleinere Klassen einsetzen. Auch treten die Studierenden für eine grundlegende Verbesserung der Situation anderer benachteiligter gesellschaftlicher Gruppen ein und fordern insbesondere eine Beendigung des Ausbildungsnotstands in NRW.

Zuvor wurden Grußworte und Solidaritätserklärungen der Humboldt-Uni Berlin, der Uni Mainz, Duisburg-Essen und Bonn sowie Bochumer Schulen und des DGB verkündet. Am Ende der Versammlung bildete sich spontan eine Demonstration über die Universitätsstraße, welche einen über 4 km langen Stau auf der A43 verursachte. Damit ist ein erster Schritt getan, dass die Proteste auch in NRW eine neue Dimension annehmen. Danach ging die Audimax-Besetzung weiter. „Wir bleiben hier, bis unsere Forderungen erfüllt werden“ sagen die Studierenden, die ihren Protest gleichberechtigt in einem Protestplenum organisieren. „Der große Andrang auf der Vollversammlung und die Entschlossenheit, mit der die Studierenden ihre schon jahrelang vorgetragenen Forderungen jetzt endlich durchsetzen wollen, zeigt, wie desolat die Situation an den bundesdeutschen Hochschulen ist“, kommentiert Anne Greger vom Protestplenum. Kämpferisch zeigt sich Martin Schmidt vom AStA-Referat für Hochschul- und Bildungspolitik: „Die Zeit der Lippenbekenntnisse ist vorbei. Unsere Forderungen müssen endlich umgesetzt werden - vorher werden wir keine Ruhe mehr geben.“ Nur teilweise kooperativ gibt sich derzeit das Rektorat: Die Universitätsleitung stellte der Studierendenmasse ein Ultimatum, das Audimax bis Freitagabend zu räumen. Die Besetzerinnen und Besetzer stehen dieser Drohung jedoch gelassen gegenüber: „Wir sind gespannt, wie die Verwaltung in dieser kurzen Zeit Konzepte erarbeiten will, um unsere Forderungen zu erfüllen „denn vorher werden wir nicht gehen! Mehrere tausend Studierende kann man nicht durch die Androhung von Polizeigewalt zum Schweigen bringen, und die Probleme an unserer Uni löst man damit auch nicht“, so Benjamin Bettinger, ebenfalls AStA-Referent für Hochschulpolitik.

Für Freitag, den 20.11., wird ab 12 Uhr eine Podiumsdiskussion mit Bundespolitikerinnen und -politikern zur Bildungspolitik im Audimax der Ruhr-Universität stattfinden. Zugesagt haben bereits Sevim Dagdelen (MdB, DIE LINKE) und Kai Gehring, hochschulpolitischer Sprecher von Bündnis 90 / Die Grünen im Bundestag. Auch Uta Wilkens, Prorektorin an der Ruhr-Uni, wird zugegen sein. Man darf gespannt sein, welche Antworten auf die brennenden bildungspolitischen Fragen die Eingeladenen geben werden. Die Studierenden jedenfalls haben in ihrer gestern verabschiedeten Resolution ihre Konzepte zur Neugestaltung des Bildungssystems auf den Punkt gebracht - es wird Zeit, dass die Hochschulleitung sowie die Politik endlich auf die berechtigten studentischen Forderungen eingeht.

 
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