Main Menu
Start
News
Links
Archiv
Forum
Videos
Kontakt
Mailingliste
Hier klicken und die E-Mail Adresse eintragen um über die Mailingliste immer die neuesten Infos zu bekommen.
Twitter
Follow me on twitter
Newsfeed
StudiVZ
Edelprofil:
Bildungsstreik 2009
Gruppen:
Bildungsstreik Bochum
Besetztes Audimax der RUB
Forderungen +++ Wiki +++ Streik-Forum +++ Mailingliste +++ #unibrennt
blank info
Schlagen und betteln
Donnerstag, 16. Juli 2009
Die aktuelle BSZ erinnert in ihrer aktuellen Ausgabe an die Attacke des Geschichtsprofessors Lucian Hölscher auf einen Studierenden im Rahmen des Bildungsstreiks und die Unfähigkeit der Uni dies adäquat aufzuarbeiten: Ein Schlag ins Gesicht der Studierenden!

Lucian Hölscher

Verharmlosung statt Aufarbeitung

Es geschah am Tag des Auftakts des Bundesweiten Bildungsstreiks und in aller Öffentlichkeit: Am 15. Juni 2009 schlug ein Professor einem Studierenden vor den Augen zahlreicher VorlesungsbesucherInnen ins Gesicht. Obwohl sich der RUB-Historiker Lucian Hölscher kurz nach der Tat bei einer Protestteilnehmerin dafür entschuldigte, war er hierzu bei einem persönlichen Gespräch mit dem Betroffenen drei Tage später nicht mehr bereit.

Auch an der Ausübung seines Mandats als Senatsmitglied hält Hölscher bis heute fest. Nachdem der Vorfall in der Bildungsstreikwoche Thema in den regionalen Medien war, wurden in der Zwischenzeit alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Angelegenheit aus der öffentlichen Debatte zu drängen. Die bsz fasst im Folgenden die Hintergründe, die Folgen und die bis heute ausbleibende Aufarbeitung des Falls zusammen.

In Berlin verbuchte der Bildungsstreik kürzlich einen Teilerfolg: Der Senat der Humboldt-Universität erklärte offiziell, zum Wintersemester 2009/10 Anwesenheitslisten in Pflichtveranstaltungen abschaffen zu wollen. Auf einen solchen Schritt zielten auch die Aktionen der Protestierenden zum Streikauftakt an der Ruhr-Uni ab, als sie am 15. Juni durch die Hörsäle des RUB-Campus zogen, um Anwesenheitslisten symbolisch einzusammeln. Außerdem wollten sie die Anwesenden dazu ermutigen, aktiv an den Protesten teilzunehmen. So auch zwischen 12 und 14 Uhr während der Vorlesung zur „Geschichte Europas seit der Aufklärung“ von Prof. Dr. Lucian Hölscher im Hörsaal HGA 20: Ein Studierender schnappte sich die Anwesenheitsliste, worauf ihm Hölscher nacheilte, ihn von hinten festhielt und versuchte, ihm die Liste wieder zu entreißen. Als der Studierende diese anderen Protestteilnehmenden zuwarf, zerrte Hölscher an der Schulter des Studenten, um ihn umzuwenden. Anschließend schlug er ihm nach Aussage zahlreicher ZeugInnen mit der Faust ins Gesicht. Auch danach ließ Hölscher nicht von dem Studierenden ab, der sich erst losreißen musste, um weiteren Tätlichkeiten zu entgehen.

Historischer Tiefschlag

Glücklicherweise ist die durch Hölschers bezeugten Faustschlag entstandene und ärztlich dokumentierte Verletzung an der Innenseite der Oberlippe des Studierenden inzwischen wieder verheilt. Verletzend ist jedoch der Umgang des Historikers mit der Angelegenheit, die er nach Kräften herunterzuspielen und zu vertuschen suchte. Zwar entschuldigte sich Hölscher direkt nach der Tat bei einer Demonstrantin, wandte sich aber schon bald darauf an den Fachschaftsrat Geschichte – offensichtlich, um auf eine möglichst wohlwollende Darstellung des Geschehens in der Öffentlichkeit hinzuwirken.

Keine Reue

Bei einem Gespräch mit VertreterInnen der Studierendenschaft und dem Betroffenen, bei dem eine Entschuldigung Hölschers für seinen Ausfall eingefordert werden sollte, war dieser noch nicht einmal bereit, sich bei dem Geschlagenen persönlich glaubhaft zu entschuldigen. Stattdessen stritt er ab, den Studenten geschlagen zu haben und brüskierte die Anwesenden zudem, indem er nahelegte, den Vorgang nicht öffentlich zu thematisieren, da dies den Anliegen der Studierenden im Bildungsstreik abträglich sei. Außerdem wurde die Behauptung in den Raum gestellt, die ProfessorInnenschaft würde sich ohnehin mit Hölscher solidarisieren. Dies zeichnete sich bereits während des Gesprächs ab, als der ebenfalls anwesende ehemalige Dekan der Historischen Fakultät, Prof. Dr. Dieter Ziegler, das Opfer bearbeitete, indem er sagte: „Überlegen Sie mal, auf welche Ebene Sie den Vorfall hieven, wenn Sie diesen Vorwurf öffentlich erheben.“ Damit bestätigte der Professor für Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte gleichwohl, dass es sich offensichtlich um einen gravierenden Vorgang handelt, der wohl besser nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollte.

Erinnerungslücke

Dies war jedoch schon längst passiert: So hatte bereits am 16. Juni das Internet-Portal bo-alternativ.de über den „historischen Tiefschlag an der RUB“ berichtet, und am 18.06. titelten die Ruhr Nachrichten: „Professor soll Studenten geschlagen haben“. Tags darauf räumte Hölscher selbst in einem mit „Studenten geschlagen – Professor will Schlichtung“ überschriebenen Artikel in der gleichen Zeitung eine angebliche Erinnerungslücke ein. Die Ruhr Nachrichten zitieren Hölscher mit den Worten: „Bei dem Gerangel weiß ich nicht mehr genau, was passiert ist.“ Er habe „reflexartig reagiert“. Ein gezielter Schlag ins Gesicht sei allerdings nicht erfolgt; denn, so Hölscher, „an eine derartige Gewaltanwendung hätte ich mich sicher erinnert.“ Am 20. Juni titelte die Westfälische Rundschau (WR) kurz und bündig: „Professor schlug beim Uni-Streik zu.“

Institutsvorstand solidarisiert sich mit Hölscher

Auch auf Fakultätsbene kam es zu keiner kritischen Aufarbeitung. Im Gegenteil: Das Historische Institut deckte Lucian Hölscher den Rücken. Obwohl die VertreterInnen des Institutsvorstands bei dem Vorfall im Hörsaal HGA 20 nicht anwesend gewesen waren, verabschiedeten sie am 24. Juni mit 17 Ja-Stimmen bei drei Enthaltungen eine Stellungnahme, in der sie sich gar mit Hölscher „solidarisch“ erklärten und dazu aufforderten, „jede weitere interessegeleitete Skandalisierung des Vorgangs zu unterlassen.“ Der Fachschaftsrat Geschichte veröffentlichte zwei Tage später eine Erklärung, die sich zwar deutlich von der Solidaritätserklärung der Lehrenden abgrenzte, in der Sache selbst aber keine Stellung bezog: „Wir respektieren die Erklärung des Historischen Instituts, distanzieren uns aber von einer Parteinahme aufgrund vielfältig kursierender Gerüchte sowie von der politischen Instrumentalisierung des Vorfalls.“ Zudem attestierte er Lucian Hölscher „große Gesprächsbereitschaft“ und eine gute Zusammenarbeit mit dem studentischen Gremium.

Im Gespräch mit der bsz zeigte sich der betroffene Student enttäuscht von dem Verhalten der universitären Gremien – eine Enttäuschung, die auch der AStA-Vorsitzende Karsten Finke gut nachvollziehen kann: „Selbst wenn Professor Hölscher im Affekt gehandelt haben sollte, wie er im Interview mit den Ruhr Nachrichten angibt, wäre eine zeitnahe Entschuldigung das Mindeste gewesen.“ Auch ein Professor, der „nur“ ein Gerangel inklusive Verletzungsfolge mit verursache, sei ein großes Problem, über das gesprochen werden müsse: „Dass es an unserer Hochschule nicht möglich zu sein scheint, einen so gravierenden Fall sachgerecht und mit Respekt vor dem Geschädigten aufzuarbeiten, das halte ich für sehr bedenklich“, so Finke weiter

 
< zurück   weiter >

Termine
>> Komplette Terminübersicht
Vorlesungsfreie Zeit