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Bildungsstreik bundesweit
Donnerstag, 4. Juni 2009
Demonstrieren, blockieren, besetzen! Der bundesweite Bildungsstreik ist mehr als nur der Protest gegen Studiengebühren.

Von Kiel bis München planen inzwischen über 50 regionale Vorbereitungstreffen Aktionen gegen Bildungsabbau und für ein demokratisches Bildungssystem.

Höhepunkt soll eine bundesweite Aktionswoche vom 15. bis 19. Juni werden. Doch schon vorher stehen die Zeichen auf Protest. Viele Aktionsformen, viele Ziele – die bsz gibt einen Überblick über den heißen Frühling an den Unis und Schulen.

Es war die größte Demonstration, die Heidelberg seit Jahren erlebt hat: Nach einer Vollversammlung zum Bildungsstreik stürmten am Dienstag vor einer Woche 1.200 Studierende der Pädagogischen Hochschule spontan auf die Straße. Kein Wunder, denn ihre Hochschule ist pleite - die Lüge der On-top-Finanzierung durch Studiengebühren ist endgültig aufgeflogen. Schon einen Monat vorher hatten wütende Studierende das Romanistische Seminar der Uni Heidelberg besetzt, um gegen die katastrophalen Studienbedingungen zu protestieren. Seit Mitte Mai sorgt außerdem das CampusCamp auf dem Heidelberger Unigelände für ein alternatives und kritisches Veranstaltungsangebot: In Workshops geht es um so unterschiedliche Themen wie E-Mailverschlüsselung, Aktionsklettern, Erste Hilfe auf Demonstrationen oder Medienaktivismus. Ein Konzept, das Schule macht: Die Belebung von öffentlichen Räumen durch Protestcamps und ähnliche Konzepte ist unter anderem in Trier, Hamburg und Berlin geplant.

Bayern auf der Straße

Schon jetzt hat die Protestwelle weite Teile des Südens der Republik erfasst. Bereits am 13. Mai haben in Bayern etwa 16.000 Studierende gegen Studiengebühren protestiert. Allein in München gingen 6.500 Menschen auf die Straße. Aus Würzburg wurden 4.000 DemonstrantInnen, aus Regensburg 1.400 gemeldet. In Erlangen gehen die VeranstalterInnen von 1.000 TeilnehmerInnen aus. In Triesdorf haben etwa 500 Studierende über eine halbe Stunde lang die Bundesstraße 13 blockiert.

Eltern machen mit

Nicht nur SchülerInnen und Studierende mobilisieren für die bundesweite Aktionswoche im Juni. Unter dem Motto „Bildung und Zukunft für unsere Kinder “ haben Eltern aus dem Raum Stuttgart einen einen eigenen Aufruf verfasst, um den Bildungsstreik zu unterstützen. In dem Text setzen sie sich unter anderem für kleinere Schulklassen, mehr Demokratie an den Schulen sowie für die Abschaffung von sämtlichen Bildungsgebühren und des mehrgliedrigen Schulsystems ein. Vor allem stärken sie jedoch den Aktiven den Rücken: „Wir fordern deshalb alle in Bildungseinrichtungen Tätigen auf, sich mit dem Bildungsstreik zu solidarisieren, keine Repressalien gegen streikende SchülerInnen und Studierende zu verhängen und gemeinsam während der Arbeits-, bzw. Schul- und Vorlesungszeit am 17. Juni mit auf die Straße zu gehen.“

LehrerInnen und ProfessorInnen sind dabei

Ein wichtiges Signal kommt von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), in der hauptsächlich LehrerInnen organisiert sind: Auf ihrem Gewerkschaftstag hat die GEW einstimmig beschlossen, den bundesweiten Bildungsstreik zu unterstützen. Und auch Hochschullehrer erklären sich solidarisch: Die emeritierten Berliner Politikwissenschafts-Professoren Peter Grottian und Wolf-Dieter Narr kündigen in einem Aufruf unter der Überschrift „Lasst Euch nicht alles gefallen! Schafft Alternativen!“ an, selbst am Bildungsstreik teilzunehmen. Sie wollen in Heidelberg, Düsseldorf und Berlin Teach-Ins organisieren und rufen ihre KollegInnen auf, in der Bildungsstreikwoche gegen die „verwertungsorientierte Hetze im modularisierten Hamsterlaufstall“ aktiv zu werden. An der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg haben ProfessorInnen und Studierende des Pädagogischen Instituts bereits gemeinsam beschlossen, vom 15. bis 19. Juni die regulären Veranstaltungen zu bestreiken und stattdessen ein alternatives und kritisches Streikprogramm zu organisieren. Auch in anderen Städten werden alternative Vorlesungen zum Beispiel in der Innenstadt geplant.

Vernetzung mit sozialen Bewegungen

Insgesamt können sich die BildungsaktivistInnen in diesem Jahr über eine deutlich bessere Vernetzung mit anderen sozialen Bewegungen freuen, als das in der Vergangenheit häufig der Fall war. Ein sichtbares Zeichen dafür war die Großdemonstration „Wir zahlen nicht für eure Krise“ am 28. März in Berlin. Während insgesamt 30.000 DemonstrantInnen die Straßen der Hauptstadt bevölkerten, haben sich Studierende und SchülerInnen in einem eigenen „Bildungsblock“ an der Demo beteiligt. Auf der bundesweiten DGB-Demo am 16. Mai wurde das Konzept wiederholt.

Quelle: bsz (Bochumer Stadt- und Studierendenzeitung)

 
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