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Bundeswehr an der Uni
Mittwoch, 19. Mai 2010
Propaganda-Veranstaltung in den Geowissenschaften!

Am Montag Nachmittag hielt Benjamin Mörtl, der als Offizier im Geoinformationsdienst der Bundeswehr arbeitet, im Rahmen des Kolloqiums “Berufsfeld Geographie” so gut wie ungestört einen Propaganda-Vortrag über die Arbeit der Geowissenschaftler in der Bundeswehr.

Im Rahmen der Veranstaltung “Berufsfeld Geographie: Propädeutisches und Evaluationskolloqium” werden durch die Dozent_innen Astrid Seckelmann und Bernd Marschner jede Woche Absolvent_innen der Geographie eingeladen, um aus ihren Erfahrungen über die Arbeit der Geographen in verschiedenen Berufsfeldern zu berichten. Am besagten Montag sollte es um die Herstellung und Auswertung von digitalen Karten und Satelliten- sowie Luftbildern gehen. Dafür wurde ausgerechnet ein Hauptmann im Geoinformationsdienst der Bundeswehr eingeladen: Benjamin Mörtl. Dieser nutzte seinen Vortrag, um die Vorzüge der Bundeswehr lang und breit zu erläutern.

Anscheinend nur zivile Aufgaben in der Bundeswehr

Die Beispiele, die er bei seinen Erläuterungen des Berufsfeldes aufzeigte, bewegten sich dabei nur im zivilen Aufgabenbereich der Bundeswehr: Die Trinkwasserversorgung der zivilen Bevölkerung sichern, geographische Sicherheiten beim Neuaufbau von Gebäuden herstellen, Fahrwege erkunden… Die Liste der angeführten humanitären Beispiele lässt sich problemlos verlängern. Wenn er auf die Kampfsituationen einging, dann erläuterte er, dass dies selbstverständlich alles nur zur Selbstverteidigung der Kameraden (z.B. beim Einsatz von ABC-Waffen) geschehe.

Schon zu Anfang des Vortrages bezeichnete er die Bundeswehr als “weltweit operierendes Unternehmen, welches interessante und abwechslungsreiche Arbeitsplätze anbiete” – auch ohne unbedingt eine Uniform tragen zu müssen. Auch ließ er es sich nicht nehmen, die bürokratische Vorbildlichket der deutschen Bundeswehr im Ausland zu erwähnen. “Hier wurde ganz klar ein falsches Bild der Aufgaben der Bundeswehr gezeichnet”, so ein anwesender Student. “Schließlich wird man in der Bundeswehr immer noch zum Töten ausgebildet.”

Kritiker_innen im Kolloqium nicht erwünscht

Zu Anfang des Vortrages meldeten sich schon die ersten Kritiker_innen zu Wort und forderten eine Erklärung, wer und warum denn die Bundeswehr an die Universität einlade. Die Dozentin Astrid Seckelmann blockte die Nachfragen ab und bezeichnete die Bundeswehr als “normalen Arbeitgeber, wie auch alle anderen die für das Kolloqium eingeladen wurden”. Dann forderte sie die Kritiker_innen auf zu gehen, wenn ihnen der Arbeitgeber oder das Thema nicht zusage. Doch auch nach dem Vortrag gab es noch kritische Fragen, besonders im Bezug auf den von Hauptmann Benjamin Mörtl beschriebenen zivilen Aufgabenbereich: Warum man denn zur Bundeswehr gehen sollte, wenn man im zivilen Bereich arbeiten möchte und warum der Soldat nur diesen Aufgabenbereich erläuterte. “Der Soldat musste sich gar nicht selbst rechtfertigen, das hat die Dozentin für ihn übernommen”, kritisierte ein Anwesender das Verhalten der Dozentin. Diese antwortete auf oben genannte Frage, dass die Bundeswehr nun mal mehr Geld zur Verfügung hätte als andere Unternehmen. Als sie dann vor ihrem ganzen Kurs auf ihre ethische und wissenschaftliche Verantwortung im Hinblick auf ihre Veranstaltungen angesprochen wurde, brach sie die Diskussion ab und bat andere Referent_innen nach vorne, um deren Vorträge zu halten.

Mittlerweile normal? Unternehmen und Bundeswehr an der Universität

Mittlerweile findet mensch in den Vorlesungsverzeichnissen immer mehr Kurse, in denen Vertreter_innen von Unternehmen Werbung für diese machen dürfen. Das jetzt allerdings die Bundeswehr ebenfalls als “normaler Arbeitgeber” eingeladen wird ist neu. Das Bachelor-Studium ist somit nicht nur durch das reine Auswendiglernen allein auf den Output ausgerichtet, es wird aktiv Werbung dafür gemacht, nach dem Bachelor-Abschluss schnellstmöglich in die Wirtschaft zu gehen. Trotz einiger Stimmen gegen dieses Vorgehen in der besagten Veranstaltung, äußerte sich die Mehrheit der anwesenden Studierenden nicht kritisch. Einige beschimpften die Kritiker_innen sogar. “Es scheint immer mehr zur Normalität zu werden, dass solche Propaganda-Veranstaltungen von den Studierenden einfach akzeptiert werden”, so eine Stimme aus dem Protestkomitee gegen Studiengebühren.

Aber gerade wenn die Bundeswehr zu solchen Veranstaltungen eingeladen wird, gehen die Dozent_inen zu weit. Die primäre Aufgabe der Bundeswehr, vor allem im Ausland, ist es nicht Brunnen zu bauen. Soldaten werden zum töten von Menschen ausgebildet, zum Gehorchen ohne nachzufragen. Diesen Fakt sollte niemand vergessen. Und schon gar nicht sollten Dozent_inen darüber hinwegtäuschen.«

 
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