Wir wählen die Straße
Dienstag, 4. Mai 2010

Die Situation des Bildungsstreiks in NRW ist verfahren. Versuche der Vereinnahmung der Bewegung und Umdeutung von hohen Zielen wie dem des "selbstbestimmten Lebens und Lernens" gehen kurz vor der Landtagswahl quer durch alle Parteien. Dem wollen wir mit einem Aufruf zum spontanen, wahlkritischen, antiautoritären Block auf der morgigen Demo in Düsseldorf entgegenwirken.

Wir wählen die Straße

Im letzten Jahr gab es eine große Bewegung von Bildungsprotestierenden, an der viele hunderttausend Schüler_innen und Studierende teilgenommen haben. Auch wir waren dabei, denn wir denken, dass freie und emanzipatorische Bildung eine Voraussetzung für eine solidarische Gesellschaft ist.

Aber dabei reicht es uns nicht aus, die Verbesserung der Situation an den Hochschulen über eine Abschaffung bzw. Reform von Bachelor/Master, die Abschaffung der Studiengebühren und Anwesenheitslisten zu fordern. Es reicht nicht aus, über die Erhöhung des BAföGs zu diskutieren. Natürlich nehmen wir die bei den Bildungsprotesten erkämpften Detailverbesserungen unserer Lebensbedingungen gerne mit, aber uns geht es um etwas Grundlegenderes. Wir wollen unser Leben selbst bestimmen, wollen uns nach unseren Bedürfnissen bilden und verwirklichen können. Wir erleben jedoch, dass wir durch Institutionen und Strukturen bestimmt werden, auf die wir kaum Einfluss nehmen können. Wir machen unsere Abschlüsse, weil es von uns verlangt wird; wir setzten uns oft unter krassen Druck für Dinge, deren Sinnlosigkeit offensichtlich ist. Mit dieser Situation sind nicht nur wir als Studierende und Schüler_innen konfrontiert. Die Erfahrung der Unmöglichkeit von Selbstbestimmung innerhalb des Bestehenden machen weltweit und quer durch die Gesellschaft sehr viele Menschen. Die Veränderungen, die für ein selbstbestimmtes Leben notwendig wären, lassen sich nicht über Teilreformen erreichen. Sie fordern eine tief greifende Veränderung des Systems und damit des Denkens und Handelns von uns allen. Wir müssen anfangen selbst für unsere Interessen einzustehen, anstatt Stellvertreter_innen "aus der Politik" die Bestimmung über unsere Leben zu überlassen.

Wir dürfen nicht der Mitbestimmungsillusion von Wahlen erliegen. Gerade in Zeiten des Wahlkampfs werden viele Forderungen angepasst und abgeschwächt, um mehrheitsfähig zu sein. Doch am Ende wird alles an den ökonomischen Zwängen ausgerichtet. Forderungen nach Alternativen werden mit dem Hinweis auf angebliche Nicht-Realisierbarkeit vom Tisch gewischt.

Gerade deshalb ist es notwendig, die Wahl als Plattform des Protestes zu nutzen, auf die Straße zu gehen und Druck aufzubauen, um Alternativen zu erzwingen. Dabei wollen wir weniger an die neuen und alten Herrschenden appellieren, sondern vielmehr deren Überflüssigkeit zum Ausdruck bringen.

Kommt mit in den wahlkritischen, antiautoritären Block auf der landesweiten Bildungsstreik-Demo am 5. Mai in Düsseldorf! Treffpunkt ist 11h am Hauptbahnhof.

 
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