Campussanierung - fit für die Elite?
Donnerstag, 22. April 2010
Es folgen Informationen und Kommentare zum geplanten Umbau der RUB.

Am 15. März veröffentlichte die Universitätsleitung das Gewinner-Konzept für eine Modernisierung der Ruhr-Universität. Wenn es nach diesem Konzept geht, sieht unsere Uni bald wie ein Einkaufszentrum aus.

Daher müssen wir uns unweigerlich fragen: Wie stellen wir uns eine Universität vor? Als Hotel, Eliteschmiede und „Service-Center“? Wir finden: Eine Universität sollte vor allem den Fokus darauf richten, so vielen Menschen wie möglich Raum und Zeit für Bildung zu geben. Daher lehnen wir die neuen Architekturpläne ab.

Nicht wenige Studierende haben sich vielleicht bewusst für eine Campusuni und – mit ihrer symmetrischen Anordnung der Gebäude – für die RUB entschieden: Indem ein „Hafen des Wissens“ gebaut wurde, bei dem auch architektonisch alle Gebäude den gleichen Stellenwert haben, wurde stets die Gleichrangigkeit aller Fakultäten betont. Der neue Entwurf hingegen sieht einige fundamentale Änderungen vor, die vor allem eines aussagen: In dem neuen Konzept geht es vor allem um Effizienz und Exzellenz, die sich in der Architektur widerspiegeln soll.

Die Veränderungen im Überblick

Ganz abgerissen werden sollen folgende Gebäude:

  • das komplette Studierendenhaus (SH) mit AStA, KulturCafé etc.
  • das Musische Zentrum (MZ)
  • das Uni-Verwaltungsgebäude (UV)
  • das Forum Nordost (FNO)
  • das Hörsaalzentrum Ost (HZO)

Folgendes Gebäude soll zwar erhalten, jedoch grundlegend umfunktioniert werden:

  • die Universitätsbibliothek (UB) – dort soll ein „Studierenden Service Center“ entstehen

Im Original erhalten bleiben entlang der Zentralachse nur das Audimax und die neue Mensa.

Wohin allerdings mit den ganzen Institutionen, die vom oben beschriebenen Abrisskonzert unmittelbar betroffen sind? Auch hierfür haben die Architekt_innen ‘interessante’ Lösungen gefunden:

  • Die studentische Selbstverwaltung soll letztendlich im „Studierenden Service Center“ (SSC) landen.
  • Im „RUB-Turm“ soll neben der Universitätsverwaltung auch ein „Musikcenter“ Platz finden – dem multikünstlerischen Konzept des MZ, das neben musikalischen sowie fotographischen und bildnerisch-künstlerischen Aktivitäten auch über eine eigene Studiobühne verfügt, haben die Architekt_innen in keiner Weise Rechnung getragen. Offensichtlich haben sie es versäumt, sich überhaupt damit auseinanderzusetzen, was das Musische Zentrum überhaupt ist.
  • Die durch den geplanten Abriss des HZO wegfallenden Hörsäle sollen in den heutigen Parkhaus-Bereich der Ebene 02 zwischen UB und Audimax verlagert werden. Im Klartext also: Studierende unter die Erde...

Was ist eine Universität?

Weltweit protestieren Studierende schon seit Jahren gegen die fortschreitende Kommerzialisierung der Bildungsstätten. Dabei geht es, wie man auch wieder an den neuen Architekturplänen sehen kann, um mehr als ‘nur’ kostenfreie Bildung für alle. Schon in den 90er Jahren wurde an der RUB das alte Architekturkonzept durch die neuen M-Gebäude gebrochen: Auf dem Gebäude MB wurde eine Glastonne installiert, die mit dem Konzept der Gleichrangigkeit der einzelnen Gebäude bricht. Anschließend wurden die kompletten Gebäude MB und MC an Firmen vermietet, die dort u. a. Versuchslabore installierten. Die Pläne der Molestina-Architekt_innen greifen diese neue Philosophie einer nicht mehr vom Gedanken des Gemeinwohls im Sinne des Zugangs möglichst breiter Bevölkerungsschichten, sondern von partikulären Interessen und Elite-Bildung gesteuerten Uni unweigerlich auf. Im Kern geht es auch bei der Campus-Architektur um die Frage, was eine Universität ist und wie sie sich darstellt. Ginge es nach den Molestina-Architekten, so würde diese zunehmend auf Repräsentations- und Effizienzfunktion beschränkt. Oder anders gesagt: Nach der Installierung des Bachelor-Master-Modells folgt nun auch die architektonische Umsetzung eines rein auf den Output orientierten Studiums.

Mehr als Repräsentation und Dienstleistung

Die studentische Selbstverwaltung ist jedoch mehr als eine Dienstleistung: Sie gewährleistet die demokratische Mitbestimmung der Studierenden. Ein Hörsaal ist mehr als ein dunkler, ungemütlicher Ort, an dem Professor_innen aus ihren Skripten vorlesen. Indem die Universitätsleitung ein Hörsaalzentrum unter die Erde verlagert, macht sie klar, wohin sie die Bildung und insbesondere freies und emanzipatorisches Denken haben will: Nicht mehr offensichtlich im Zentrum der Universität, sondern scheinbar unsichtbar und zweitrangig. Ein Musisches Zentrum ist viel mehr als ein „Musikcenter“, es ist der Ort, an dem sich an der RUB alle Künste vereinigen. Und eine Universitätsbibliothek, die nicht mehr unmittelbar im Zentrum des Campus verortet ist und durch ein „Student Service Center“ abgelöst werden soll, symbolisiert einen Paradigmenwechsel von der Bildungs- zur Servicefunktion der „Schönen neuen Hochschulwelt“, die wie in Aldous Huxleys Anti-Utopie die Archive des Wissens offenbar aus dem öffentlichen Fokus verbannen will.

Wir sagen Nein zu einem marktwirtschaftlichen Prinzip einer Universität – architektonisch, strukturell oder in irgendeiner anderen Art und Weise.

Wir sagen Nein zu diesem ‘Denkmal’, welches sich der amtierende und für weitere vier Jahre nominierte Rektor Elmar Weiler mit dieser Kahlschlag-Campussanierung offensichtlich setzen will.

Wir sagen Nein zu einem architektonischen Entwurf, der die Belange der Studierenden ignoriert und die Campsöffentlichkeit bislang nicht angemessen einbezogen hat.

 
< zurück   weiter >

Termine
>> Komplette Terminübersicht
Vorlesungsfreie Zeit